Annalena Baerbock

Klimaschutzexpertin, Realo, leidenschaftliche Europäerin – Attribute, die oft in der Presse im Zusammenhang mit Annalena Baerbock zu lesen sind. Sie studierte in Hamburg Politikwissenschaft und Öffentliches Recht sowie anschließend Völkerrecht in London. Baerbock absolvierte ein Praktikum im Europäischen Parlament bei den Grünen und trat darauf der Partei bei. Nach Brandenburg kam Baerbock ebenfalls durch ein Praktikum, wo sie immer noch mit ihrer Familie lebt. Als Bundestagsabgeordnete engagiert sie sich im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zusammen mit Robert Habeck ist sie Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

 

Am 24. Januar 2019 war sie zu Gast im Politikcafè. Authentisch, bodenständig, offen, engagiert – das ist der Eindruck, den Annalena Baerbock auf die Jahrgangsstufe 11 machte. Sie sprach über den Alltag einer Bundestagsabgeordneten, die Fraktionssitzungen, die Ausschusssitzungen, die Termine, die zusätzlich anstehen, die Arbeit als Bundesvorsitzende.

Aber natürlich sprach Baerbock auch über die Themen der Grünen. Eines der wichtigen Themen war der Klimawandel und das deutsche Engagement zum Umweltschutz. „Alternative Energien sind der beste Weg in eine umweltfreundliche Zukunft“, so Baerbock auf die Frage, wie das Pariser Klimaabkommen von 2015 erreicht werden kann. Der Umstieg auf alternative Energien sei unerlässlich, um Deutschland in eine saubere, verantwortungsvolle Zukunft, zu führen. Überraschenderweise spricht sich die Bundesvorsitzende beim Thema Verkehr jedoch gegen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge aus, da Fahrzeiten durch gesperrte Straßen erheblich verlängert und mehr klimaschädliche Abgase ausgestoßen werden. Grenzwerte für Feinstäube zu senken, lehnt sie strikt ab, da diese das Problem nicht lösen, sondern lediglich verdecken. Weiterhin fordert sie bessere Technologien für Elektrofahrzeuge. So müsse Deutschland endlich mehr in die Batteriezellenforschung investieren, um international konkurrenzfähig zu sein. Doch laut Frau Baerbock sei es derzeit nicht klimaverträglicher, auf Elektrofahrzeuge zu setzen, da der dafür genutzte Strom zu einem großen Anteil noch aus Braunkohle stammt. Deutschland müsse schnellstens mit der Braunkohleverstromung aufhören und auf klimafreundlichere Alternativen setzen, mit der Bedingung, betroffene Arbeitnehmer nicht „hängenzulassen“. Für diese Arbeiter sollten Umschulungsmöglichkeiten und neue Berufsperspektiven geschaffen werden. „Klima- und Gesundheitsschutz wird gelenkt durch die Politik. Die Industrie hat die Ideen für die Umsetzung.“ Umweltschutz ist demnach nur möglich, wenn Politik, Industrie, Wirtschaft und Umweltverbände zusammenarbeiten.

Ähnlich ausführlich referierte sie zu Massentierhaltung, Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, der Rolle der Gewerkschaften, zur Flüchtlingspolitik. Aber auch zum Umgang der Fraktionen mit der AfD im Bundestag.

Ihre Antworten waren pointiert. Aber immer schülerorientiert mit bildlichen Ausführungen, wenn dort auch gelegentlich die grüne polarisierende Vollblutpolitikerin zu erkennen war. Nichtsdestotrotz ist eine der Botschaften von Baerbock, dass Meinungsbildung wichtig für politische Einschätzung ist.

Ihre Zukunft sieht sie ungewiss durch die Wahlen Ende des Jahres in Brandenburg. Vorsitzende der Grünen möchte sie gern weiterhin bleiben, Bundestagsabgeordnete auch. Als Journalistin sieht sie sich nach ihrer Arbeit als Berufspolitikerin nicht mehr, wohl aber in der Forschungsarbeit als Völkerrechtlerin.

Insgesamt war es ein aufschlussreiches, gelungenes Treffen und kein langweiliger grüner Tee - mit abschließendem Statement:  WÄHLT FÜR EUROPA!

Foto: Rüdiger Läzer