Noch Schüler und schon im 2. Semester: Paul Sprenger (Jahrgangsstufe 11) studiert bereits Grundlagen der Astronomie und Astrophysik. Während sein Tutorenkurs 11/2 donnerstags Sport, Englisch, Musik, Mathe und Geschichte hat, fährt er an die TU Berlin. Und besucht dort Vorlesungen und Seminare.


Wie gelingt ihm der Spagat zwischen Studium und Schule? Welche Erfahrungen macht er mit dem Projekt Studieren mit 16? Fontiweb fragt nach.

Paul, wie bist du darauf gekommen, noch während der Schulzeit das Fach „Grundlagen der Astronomie und Astrophysik“ zu studieren?

Ich habe mich schon immer für dieses Fach interessiert. Dann bin ich auf ein Buch gestoßen… Und dann hat mich eine Lehrerin auf dieses Projekt hingewiesen.

Details, wir wollen die Details...

Also, ich hatte schon immer ein mathematisch-physikalisches Interesse und es hat sich über die Jahre so angestaut. Und dieses eine Fachbuch, das von den unbeantworteten Fragen der Astrophysik handelte, das hat mich sehr interessiert. Ich wollte die Antworten finden. Und im Endeffekt hat mich Frau Elsässer darauf aufmerksam gemacht, dass es dieses Projekt gibt. Anfangs habe ich das nicht ganz ernst genommen, weil ich dachte, ach, was soll das? Aber als ich mich dann näher damit beschäftigt hatte, fand ich’s dann doch sehr gut und hab‘s einfach ausprobiert.

Und in welchem Alter hast du das Buch gelesen?

Da müsste ich ungefähr 13 gewesen sein.

Wie lassen sich Studium und Schule vereinbaren?

Das geht sehr gut. Nach der Schule hat man ja auch Zeit … Und da ich für Hausaufgaben auch nicht sehr lange brauche und es momentan nicht sehr intensiv ist, kann ich so viel Zeit investieren, wie ich möchte. Und da es auch Spaß macht, vergeht die Zeit sehr schnell.

Kannst du dir denn mit diesem Schülerstudium deine spätere Studienzeit verkürzen?

Nun, ich schließe nicht nebenbei mit dem kompletten Bachelor ab. So darf man sich das nicht vorstellen. Ich belege quasi ein Modul. Jedes Semester besteht aus mehreren Modulen. Und dieses eine bräuchte ich später nicht noch mal zu belegen, falls ich bei der Fachrichtung bleiben sollte. Ich befinde mich jetzt schon im 2. Semester des Moduls. Und nach diesem Wintersemester lege ich eine mündliche Prüfung ab wie alle anderen Studenten. Damit könnte ich später das Modul überspringen.

Wie viel Zeit wendest du neben der Schule für dein Studium auf, inklusive der Vorbereitung auf die Prüfung?

Wahrscheinlich nicht so viel wie angenommen. Zusammen würde ich so 4 bis 5 Stunden pro Woche für die Übung und beide Vorlesungen schätzen. Allerdings ist das natürlich auch sehr vom eigenen Lernpensum abhängig und davon, wie tief man schon im Stoff steht. Für die Prüfung werde ich wahrscheinlich noch sehr viel lernen müssen, wobei es da eher ums Verständnis geht. Allerdings baut sich das ja mit der Zeit auf.

War es für dich am Anfang schwer, dich in das Studium einzufinden?

Nein, das ging sehr schnell. Das liegt vor allem daran, dass die Mitstudenten mich sofort akzeptiert haben. Und da ich natürlich auch schon ein bisschen Vorwissen hatte, war es fachlich und sozial nicht die größte Herausforderung für mich.

Wie viel älter sind denn die Studenten dort?

Das ist unterschiedlich, zwischen drei und fünf Jahre, würde ich schätzen.

Gibt es noch andere Schülerstudenten wie dich an deiner Uni?

Ja, es gibt, glaube ich, insgesamt sogar über 50. In meinem Modul sind neben mir noch weitere sechs, allerdings habe ich noch keinen von denen bisher getroffen.

Hast du schon einen Traumberuf?

Einen richtigen Traumberuf habe ich bisher noch nicht. Allerdings weiß ich, dass es in die  mathematisch-physikalische Richtung geht. Bisher interessiert mich die Astrophysik am meisten. Wobei ich noch nicht weiß, ob es mich dann am Ende in die Forschung oder in die Industrie treibt.

Was interessiert dich besonders an der Astrophysik?

Die großen Fragen im Prinzip… und das Zusammenführen von verschiedenen Teibereichen aus der Physik.

Als da wären …?

Zum Beispiel Thermodynamik, Quantenmechanik, Newtonsche Mechanik, Elektrizitätslehre, Relativitätstheorie. Die fließen alle dort zusammen, und die Astrophysik ist damit die Physik der Superlative.

Behandeln dich die Dozenten anders als die „Großen“?

Nein, da gibt es glücklicherweise keinen Unterschied. Ich werde sowohl von den Tutoren als auch von den Professoren genauso wie jeder andere Student behandelt.

Welche Themen wurden denn schon in deinem Studium durchgenommen?

Bisher hatte ich Vorlesungen zur Sternentwicklung, Supernovae und zu den Galaxienmorphologien. Momentan haben wir die verschiedenen Koordinatensysteme und das Planetensystem. Das alles ist auch immer sehr spannend… Und als Nächstes kommen dieses Semester noch zum Licht, astronomische Beobachtungen und Atomphysik. Besonders freue ich mich auf das Kapitel der Stellaren Astrophysik, sprich Sternaufbau und Kompakte Objekte.

Hast du danach schon ein weiteres Modul an der Uni geplant?

Bisher noch nicht. Vor allem, weil ich noch nicht weiß, wie intensiv die Prüfungsvorbereitung wird. Aber ich bin sicher, dass ich, wenn ich noch etwas Spannendes finde, wieder gerne ein Modul belegen würde.

Uni und der normale Schulalltag sind ja sehr unterschiedlich. Was, würdest du sagen, ist der größte Unterschied? Und was war dir vielleicht vorher gar nicht so bewusst?

Ungewohnt für mich war es wirklich, dass ich mich noch selber zu Hause hinsetzen muss, weil man nicht alles direkt in der Vorlesung verstehen kann. Deswegen ist das Vor- und Nachbereiten sehr wichtig. Was natürlich in der Schule jetzt auch stattfindet, aber nicht annähernd in dem Pensum erfolgen muss.

Wem ist solch ein Studium zu empfehlen?

Also… ich würde es jedem Schüler empfehlen, der Spaß an einem Fach hat und wirklich großes Interesse und Motivation mitbringt. Denn egal, wie gut man glaubt, fachlich aufgestellt zu sein, es wird immer Wissenslücken geben. Das geht den richtigen Studenten ja auch nicht viel anders. Und rein deshalb sollte man vor allem Motivation und Interesse mitbringen.

Ist es sehr stressig, sich gleichzeitig um Studium, Schule und Hobbys zu kümmern?

Nein, das geht eigentlich sehr gut. Und weil alles Spaß macht und ich Freude daran habe, investiere ich auch gerne Zeit darin. Ich muss aber sagen, dass ich natürlich auch das Verständnis meiner Lehrer habe. Dass ich im Unterricht fehle, würde nicht jeder akzeptieren. Und da bin ich sehr dankbar, dass die Lehrer mir erlauben, den Unterricht woanders zu verbringen.

Paul, wir wünschen dir viel Erfolg bei deinem Studium und bedanken uns herzlich für das Interview.

Das Interview wurde geführt von Schüler*innen des SK Deutsch und bearbeitet von Sophie (Jgsst. 11).

Foto: Paul Sprenger, aus einer aktuellen Vorlesungsmitschrift